Entwicklung

Impressionen zur Entstehung und Entwicklung von “BLOOMING LATE”

Heutzutage ist die Meinung weit verbreitet, dass die Einführung von BLOOMING LATE das Ei des Kolumbus in der Konzeption einer praktikablen Lösung des Problems “Englisch für Senioren” war. Ich erinnere mich jedoch noch gut an die Zeit, als Elizabeth Grünbaums Konzeption einer seniorenspezifischen Methode des Englischunterrichts in Fachkreisen vielfach auf Unverständnis wenn nicht Ablehnung stieß.

Es war auf einer von mir geleiteten Fortbildungstagung für Englischlehrer an Volkshochschulen, dass Elizabeth Grünbaum zum ersten Mal überzeugend die Gründe für einen speziellen Seniorenkurs darlegte, die sich durch ihre Unterrichtserfahrungen sowie durch Befragungen und Untersuchungen in VHS-Kursen, Seniorenklubs, Altersheimen und ähnlichen Institutionen ergaben:

Senioren sind in den Englisch-Anfängerkursen – verglichen mit ganz anderen VHS-Bereichen – generell unterrepräsentiert und steigen schneller aus; viele der Befragten haben zwar großes Interesse daran, Englisch zu lernen, jedoch keinerlei Vorkenntnisse und deshalb große Scheu, sich zu blamieren, da sie mit den meist über Vorkenntnisse verfügenden jüngeren Kursteilnehmern nicht Schritt halten können; außerdem fanden die Senioren das Lerntempo zu schnell und die behandelten Themenbereiche vielfach ihren Interessen nicht entsprechend.

Elizabeth Grünbaums Argumentation überzeugte mich, und ich regte an, bei der VHS Kaufbeuren einen “Seniorenkurs Englisch für Anfänger”, sozusagen als Pilotkurs, nach ihrer eigenwilligen Konzeption durchzuführen. Da Elizabeth Grünbaum keines der verfügbaren Englisch-Lehrwerke für ihre Zwecke geeignet erschien, entwickelte sie für diesen Lehrgang ihr eigenes Material und ging in ihren Ansätzen vielfach Wege, die von den gängigen didaktischen Methoden erheblich abwichen. Der Erfolg war verblüffend: Die begeisterten Senioren blieben bis zum Schuljahresende unverdrossen beisammen und votierten geschlossen für eine Fortsetzung des Kurses im darauffolgenden Arbeitsjahr. Ich fragte mich jedoch, ob dieser Erfolg vielleicht weniger auf das Unterrichtsmaterial als vielmehr auf die charismatische Ausstrahlung Elizabeth Grünbaums als Vollblutpädagogin zurückzuführen sei. Würden auch andere Lehrer nach ihrer Methode und mit ihrem Unterrichtsmaterial ähnliche Erfolge erzielen Um diese Frage zu klären, gab ich Elizabeth Grünbaum bei einem weiteren Fortbildungsseminar Gelegenheit, etwa 30 Kolleginnen und Kollegen aus dem Regierungsbezirk Schwaben ihre Konzeption eines seniorengerechten Englischunterrichts vorzustellen und anschließend die praktische Anwendung anhand einer Anfangsunterrichtsstunde in Neugriechisch zu demonstrieren. Am Ende der Lektion waren alle Teilnehmer in der Lage, sich auf Griechisch zu begrüßen, sich vorzustellen, zu sagen, woher sie kämen usw. Spontan erklärten sich danach einige Teilnehmer bereit, an ihren Volkshochschulen weitere Erprobungskurse mit den Unterlagen von Elizabeth Grünbaum durchzuführen.

Da auch diese von anderen Kursleitern durchgeführten Seniorenkurse sich als gleichermaßen erfolgreich erwiesen, riet ich Elizabeth Grünbaum, ihr Lehrmaterial, dem sie inzwischen den treffenden Titel “Blooming Late” gegeben hatte, einem der großen deutschen Lehrbuch-Verlage anzubieten. Leider erhielt sie jedoch einen ablehnenden Bescheid mit der Begründung, eine eingehende Analyse der Lehrpläne der Volkshochschulen in der Bundesrepublik habe ergeben, dass kaum Angebote für Seniorenkurse Englisch bestanden, was offensichtlich auf mangelndes Interesse der Senioren an solchen Kursen zurückzuführen sei.

Elizabeth Grünbaum ließ sich durch diesen Bescheid nicht entmutigen, sondern entschloss sich, ihre Lehrbücher im Eigenverlag herauszugeben und intensiv an der Weiterentwicklung von Fortsetzungsbänden zu arbeiten. Sie blieb bei ihrem Grundsatz, alle Schritte in ihren Lehrwerken zunächst in der Praxis des VHS-Unterrichts mehrfach zu erproben und, falls nötig, zu revidieren. Inzwischen hat sie mit dem dritten Band ihres Lehrwerks den Leistungsstand des “Grundbaustein Englisch des Deutschen Volkshochschulverbands” bzw. des “Threshold Level” des Europarats abgedeckt.

Inzwischen ist “Blooming Late” an über 264 Volkshochschulen und anderen Erwachsenenbildungs-Institutionen der Bundesrepublik eingeführt, ein Umstand, der ein Umdenken in Verlagskreisen bewirkte. Ein anderer, sehr großer, Lehrbuchverlag trat von sich aus an Elizabeth Grünbaum mit dem Vorschlag heran, ihr Gesamtwerk unter sehr großzügigen Bedingungen zu übernehmen. Da dieses Angebot jedoch mit beträchtlichen Revisionsbedingungen verbunden war, lehnte es Elizabeth Grünbaum, obwohl sehr verlockend, ab. Sie entschloss sich, ihr Werk gemeinsam mit ihrem Mann ohne inhaltliche Kompromisse weiterhin im Eigenverlag zu publizieren.

Da ich bei der Entwicklung von “Blooming Late” sozusagen die Rolle des Geburtshelfers gespielt habe, wünsche ich meinem “Patenkind” weiter eine ” Blooming Future”.

Robert Nowacek
Sprachenreferent der Schwabenakademie Irsee ehem. Bundesprüfungsbeauftragter des Deutschen Volkshochschulverbands Sprachenreferent des Bayerischen Volkshochschulverbands Mitglied der Expertenkommission “Moderne Fremdsprachen” im Europarat